Direkt zur Startseite [Alt + 0] Direkt zur Navigation [Alt + 1] Direkt zum Inhalt [Alt + 2] Direkt zum Kontakt [Alt + 3] Direkt zur Sitemap [Alt + 4]
       
 
  Kleine Schrift Normale Schrift Gro├če Schrift Sie befinden sind hier: Startseite > Geschichte > Altes_jagdgebiet  

Der Warndt, ein altes Jagdgebiet

Zuletzt haben wir beschrieben, wie bedeutsam der Warndt zur gallorömischen Zeit und früher war. Im Einzugsbereich der Verkehrsachse römischer Straßenverbindungen wurde die Region weiter besiedelt, wie viele Funde eindrucksvoll belegen. Nach der Vertreibung der Römer Anfang des 5. Jahrhunderts wurden dann unter dem Frankenkönig Chlodwig (456-511 n.Chr.) die herrenlosen Güter in königliche Obhut genommen bzw. an verdiente Familien übergeben. In unserer Heimat gab es mehrere Königsgüter, so in Wadgassen, in Völklingen (erstmals 822 n.Chr. als "Funcolinga" erwähnt) und im Warndtwald. Letzterer dürfte in erster Linie als königliches Jagdgebiet gedient haben. In einer Urkunde aus dem Jahre 882 ist vermerkt, daß der damalige König Ludwig der Fromme zu dieser Zeit in unserer Region auf der Jagd weilte. In einigen heimatkundlichen Beiträgen wird irrtümlicherweise schon "in Waranta" angenommen. Es dürfte aber mehr das Waldgebiet um Wadgassen gewesen sein. In einem früheren Beitrag wurde berichtet, wie zu späterer Zeit - 1187 - Kaiser Friedrich I., genannt Kaiser Rotbart, "in silva de Warant" auf der Jagd war. Er wurde dabei u.a. vom Erzbischof von Metz, dem Bischof von Toul, dem Herzog von Lothringen, den Grafen von Saarwerden, Blieskastel und Saarbrücken begleitet.

Für die damalige Zeit war dies eine sehr erlauchte Jagdgesellschaft, die sicherlich noch heute für die hervorragenden Möglichkeiten solcher Staatsjagden im Warndt spricht. Wie der Heimatkundler Werner Weiter (Karlsbrunn) zu berichten weiß, soll zu dieser Zeit bereits in St. Nikolaus eine Jagdhütte gestanden haben, ein Vorgänger des späteren Karlsbrunner Jagdschlosses. In einem Beitrag "Der Völklinger Hof" für die Zeitschrift "Zur Geschichte des Warndts" beschreibt Willi Stockert eine kaiserliche Jagd Anno 822: "Es war im Spätherbst des Jahres 822, als sich Ludwig der Fromme mit seinem Gefolge auf den Weg machte, um in dem herrlichen Waldgebiet seines Königsgutes Fulkolingas seine trüben Gedanken zu zerstreuen und das Gewissen durch Jagd zu beruhigen. Wenn nämlich das Halali zum Auftakt jener aufwendigen Wildhetzen ertönte, dann wurden Gedanken der Schuld abgelenkt und man war ganz bei der Jagd, dem männlichen Vergnügen, dem ja die fränkischen Herrscher gerne nachkamen. Es würde zu weit führen, hier noch auf die Vorbereitungen einer solchen Jagd einzugehen. Da wurden zum Beispiel Heckenmacher eingesetzt, die mit Hecken und Seilen Hindernisse für das Wild anlegen mußten. Hier und da wurde auch den Hofleuten ein beschränktes Jagdrecht eingeräumt, so daß sie alle Jahre einmal jagen durften. In einem Dokument heißt es ausdrücklich: '...auch der arm mann habe zu jagen, der hat einen Hasen zu richten, bereth ihnen aber Gott ein hochwild, so soll er die herren darumb ersuchen.' Nach Abschluß des königlichen Weidwerkes gab es ein festlicher Schmaus mit fröhlichem Becherklang. Man amüsierte sich, genoß, was sich bot und solange sich etwas bot. Der Kaiser war mit dem Erfolg sehr zufrieden und wohlgelaunt. In dieser fröhlichen Stimmung beauftragte er seinen Vizekanzler, eine Urkunde auszustellen, durch er seine bewährten Jagdgenossen belohnen will. (Und in eben dieser Urkunde wurde dann "Fulkolingas" erstmals erwähnt.) So gewiß es ist, daß die Kaiser wie alle großen Herren ihrer Zeit oft und gerne zur Jagd kamen, so gut ist es auch möglich, daß er hier und da beiläufig Fischfang betrieben hat, denn Jagd und Fischerei waren Vorrecht der Herrschaft."

Als in späteren Zeiten die Fürsten von Nassau-Saarbrücken in unserer Region das Sagen hatten, nutzten auch sie den Warndt für ihre Jagdvergnügen. So schuf sich denn auch zwischen 1783 und 1786 Fürst Ludwig von Nassau-Saarbrücken in ,,Carlsbrunn" eine Zufluchtsstätte, um im wildreichen Warndt seiner Liebhaberei, der Jagd, nachgehen zu können. Interessantes und Lesenswertes zur Geschichte des Jagdschlosses des Fürsten Ludwig von Nassau-Saarbrücken in Karlsbrunn veröffentlichten vor einigen Jahren die beiden Heimatkundler Anni Adam (Naßwei1er) und Heinz Hoppstädter (Karlsbrunn). Sie beschrieben u.a. auch Jagden zur fürstlichen Zeit: "Für die Bevölkerung der damaligen Zeit und insbesondere für die Kinder war es sicher ein besonderes Ereignis, wenn der Landesherr mit Frau und Gefolge im Jagdschloß einzog. Für ein, zwei Wochen ruhten an der Glashütte und im Dorf viele Arbeiten. Denn die Männer und kräftigen Burschen folgten - sicher oft widerwillig - den Anordnungen der Fürsten, Rot- und Schwarzwild aus den Dickungen vor die Flinten der Jagdgesellschaften zu treiben. Abends ging es dann im Schloß hoch her, Feuer loderten im Schloßhof, und Spielleute unterhielten den Herrn und seine Gäste. Nach einigen Tagen kehrte die Gesellschaft wieder nach Saarbrücken zurück, und der Alltag zog wieder in 'Carlsbrunn' ein."

Über die Baugeschichte des Karlsbrunner Jagdschlosses selbst fehlen wichtige Akten. Bekannt sind lediglich die beiden Direktoren der Saarbrücker Bauhütte, die für Planung und Bau verantwortlich waren: von Welling und vor allem W. B. Stengel, der bekanntlich für seinen Fürsten weitere architektonisch bedeutsame Bauten schuf. Ein ,,Inventarium" des Agenten Johann Philipp Rebenack aus dem Jahre 1799 - etwa acht Jahre nach dem letzten Besuch des Fürsten - gibt ausführliche Auskunft über den Zustand des Gebäudes. Demnach befanden sich in den einundzwanzig Zimmern und den drei Küchen keine Möbel, lediglich elf Stubenöfen wurden registriert. Vieles war schon in einem schlechten Zustand und renovierungsbedürftig. Auch die Keller, die fünf Ställe, die Scheune und die alte Backküche waren ähnlich desolat wie die Dachrinnen und die vier hölzernen Tore. Ursprünglich befanden sich am Eingang des Gebäudes zwei steinerne Schilderhäuser, Rebenack vermerkte, daß ,,eines zerbrochen ist.." Zum Schloß gehörte auch ein vier Morgen großer Garten, der sich den Meisenberg hinauf erstreckte mit sechs alten und achtundvierzig jungen Obstbäumen sowie etwa fünfzehn Morgen Grundbesitz. Bis vor einigen Jahren befand sich im ehemaligen Jagdschloß das Staatliche Forstamt für den Warndt. Die weitere Nutzung der Gebäude ist derzeit noch in der Diskussion. Zur 1000-Jahr-Feier des Warndts wird jedenfalls in einer Ausstellung Historisches und Aktuelles zum Thema "Wald" vom Heimatkundlichen Verein Warndt in Zusammenarbeit mit den Forstbehörden in den Räumen des alten Jagdschlosses gestaltet.

   
  Admin | Links | Sitemap | Impressum