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Die betriebliche Organisation und der Verkauf

Im Jahr 1889 sind 1068 Arbeiter und Angestellte im Forbacher Werk beschäftigt, 36 in Marienau, zwei Drittel von allen sind weibliche Arbeitskräfte.

Die Organisation des Adt-Werkes, von dem heute noch bestimmte Gebäude vorhanden sind, ist bemerkenswert. Auf dem weiten Gelände inmitten von Forbach sind die verschiedenen Werkstätten in einer Vielzahl von Gebäuden untergebracht. Da ist die Knopffabrik (heute als Ausstellungshalle von Meubles Wolff genutzt), die Firnislager (ehemaliges Reifenlager Berwald), die Tischlerei, dampfbeheizte Öfen zum Brennen und Trocknen, Werkstätte zur Firnisvorbereitung, Labor, Werkstätten für das Polieren, Firnissieren, Spulenfabrik, Werkstätten für Malerei, Perlmuttbesetzen, Formung, Pausung, Druck, Lithografie, Verzinkung, Schlosserei und die Forschungsabteilung sowie Verwaltungsbüros (Lager Fratarolli), Verpackungs- und Auslieferungsabteilung (inzwischen durch Brand zerstörte Gebäude).

Seit 1860 wird die in Ensheim und Forbach hergestellte Ware in der ganzen Welt verkauft. Wenn auch der Absatz der Forbacher Fabrik auf Frankreich und Italien beschränkt ist. Nach 1870 übernimmt Forbach, dank der nahen, neuen Eisenbahn, auch den Anteil von Ensheim. Man exportiert nach Russland, ferner in den Balkan, nach Nordamerika, die wichtigsten Zielländer sind Großbritannien und Österreich-Ungarn. Eine herausragende Rolle spielt dabei der Knopfhandel.

Ab 1893 werden die lackierten Gefäße aus Holzfaser ein sehr großer Erfolg. Die Exporte gehen bis in den Fernen Osten. Dazu erzählt man in Forbach eine Anekdote, nach der Rémy Boucher, eine Forbacher Persönlichkeit, die an den Ereignissen um den Boxeraufstand in 1900 teilgenommen hatte, chinesische Souvenirs mitbrachte und - und dem zur allergrößten Überraschung bewiesen wurde, dass es sich um im Adt-Werk, seiner Wohnung gegenüber produzierte Ware handelte, und er hatte doch ein Geschäft in der rue de la Gare.

Infolge der durch die Couturiers auftretenden Schwierigkeiten muss man bis 1890 auf ein Anschlussgleis für das Werk warten. Es verläuft über die rue Poincaré, mit einer Drehscheibe an der heutigen Einfahrt der Gebäude von Meubles Wolff, der Schienenweg setzt sich dann weiter über den unteren Teil der rue Poincaré fort. In Forbach bewegen sich die Belegschaftszahlen vor dem Ersten Weltkriege zwischen 700 und 1300 Arbeitern. Nach der Vertreibung der Familie 1919 wird die Fabrik unter Sequester gestellt, 110 Arbeiter hat sie noch bis 1923, dem Jahr der Gründung der "Société Nouvelle des Etablissements Adt". Diese neue Gesellschaft, die auch die Aufsicht über Pont-à-Mousson hat, beschäftigt 1937 nur noch 450 Menschen, 135 in 1948 und 165 in 1950, bis die Produktion der noch rentabel gebliebenen Warenartikel endgültig am 31. Juli 1960 nach Pont-à-Mousson verlagert wird.

Nach ihrer Abreise aus Forbach gründete die Familie Adt ein Werk in Wächtersbach als Fortsetzung der in Forbach verlorenen Fabrikation. Die Ensheimer Filiale, deren Schwerpunkt auf elektrotechnischer Produktion und nach 1918 ebenfalls im französischen Zollgebiet lag, konnte selbst auch nicht mehr auf deutschen Märkten operieren. Erforderlich war es auch in diesem Fall, ein eigenes elektrotechnisches Werk in Großauheim am Main zu gründen. Doch nie haben die neuen Firmensitze in Deutschland die Bedeutung des Vorkriegsunternehmens der Adts wiedererlangen können.

Diese Seite der Geschichte ist umgeschlagen. Es bleibt die Erinnerung an die abgeschlossene Epoche der Adt, Couturier, de Wendel, welche die wirtschaftliche Entwicklung unserer Region entscheidend geprägt haben. Und wenn wir den Verfall einer anderen Branche, in der Nachfolge auf diese bedeutenden Unternehmer, gegenwärtig erleben, müssten wir annehmen, dass andere Wirtschaftstätigkeiten, andere Optionen, andere noch nicht geahnte Entwicklungen uns zu neuem Aufschwunge führen, zu einer wirtschaftlichen Neubelebung. Es ist an der Zeit, dieser Zukunft den Weg zu bereiten, zusammen mit all denen, die sich der Heimat verpflichtet fühlen.

Quelle:

Jean-Claude FLAUSS: Les Usines Adt à Forbach. in: Cahiers Lorrains, 1992/Nr.2, S.135-144.
Für den HVW ins Deutsche übertragen von Ulf Stegentritt,in: Zur Geschichte des Warndts, Nr. 150 (II/2002).

   
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